Baby Familie Minimalismus, Zero Waste & Nachhaltigkeit

STOFFWINDELN IM ÜBERBLICK (Teil 1)| Systeme & Einlagen

19. November 2018
Stoffwindel Überblick - Systeme & Einlagen ǁ fink & feder

Unbezahlte Werbung

Stoffwindeln schonen die Umwelt, sind gut fürs Baby, sparen Geld und sehen sooooo hübsch aus!!!!

Na, seid ihr neugierig geworden? Dann lest weiter.

Altmodisch und kompliziert war gestern – wirklich! Inzwischen gibt es unglaublich tolle Systeme, die das Wickeln mit Stoff total einfach machen. Und mir macht es sogar richtig Spaß! Ich freue mich jedes Mal, den Po meiner kleinen Maus in eine neue zuckersüße Stoffwindel zu verpacken.

Ich bin erst kurz vor der Geburt zu Stoffwindeln gekommen und habe mich ab da jeden Tag belesen und schlau gemacht und jetzt kann ich all das Wissen mit Euch teilen.

Ich habe Euch die wichtigsten Infos und Fragen mal in zwei Teile gepackt und verrate Euch, welche Windeln, Einlagen und Zubehör ich benutze und welche Erfahrungen ich gemacht habe. In diesem Teil gibt´s alles Wissenswerte zu folgenden Fragen, den zweiten Teil findet ihr hier.

Teil 1
Wie ich zu Stoffwindeln gekommen bin…
Warum überhaupt mit Stoffwindeln wickeln?
Welche unterschiedlichen Systeme gibt es?
Welche Vorteile & Nachteile hat jedes System? Welches System ist das Richtige für mich?
Welche Größen gibt es? Welches Verschlusssystem? Klett oder Druckknöpfe?
Welche Materialien & Einlagen gibt es und was sind die Vor- und Nachteile?

Teil 2 – In meinem zweiten Teil des Artikels gibt´s die Antworten zu diesen Fragen. Dazu einmal hier klicken.
Wie wasche ich Stoffwindeln richtig?
Kann ich auch unterwegs mit Stoffwindeln wickeln?
Was benötige ich für die Erstausstattung?
Welches Zubehör brauche ich?
Was kostet die Ausstattung im Vergleich zu Wegwerfwindeln?
Meine Ausstattung & Erfahrungen

Wie ich zu Stoffwindeln gekommen bin…

Meinen schlaflosen Nächten in der Schwangerschaft habe ich zu verdanken, dass wir jetzt mit Stoffwindeln wickeln. Eigentlich hatte ich Stoffwindeln im Kopf als „viel zu kompliziert“ abgespeichert, da hatte ich mich einfach noch nicht wirklich damit befasst. Als ich dann mal wieder nachts hellwach im Bett lag, hockte ich mich auf die Couch und begab ich mich auf die Suche nach ökologischen Wegwerfwindeln. Gerade als ich mir eine XXL-Packung Naty Wegwerfwindeln, aktuell die ökologischste Wegwerfwindel auf dem Markt, bestellt hatte, bin ich über einen Blogpost über Stoffwindeln gestolpert. Sofort angesteckt vom Stoffwindelfieber informierte ich mich fleißig weiter und war total begeistert, wie viele Möglichkeiten und tolle Systeme es da gibt. Für mich war sofort klar, dass ich mit Stoffwindeln wickeln will. Gleich am nächsten Morgen weihte ich dann meinen Mann in mein Vorhaben ein. Er war nicht abgeneigt, aber wusste auch nicht, was ihn da erwartet und sagte mal ganz verhalten „OK“. Einige Nächte und ganz viele Youtube-Videos später hatte ich mich dann für das Überhosen-System entschieden und mir gleich eine Liste gemacht, was ich alles brauche und schon legte ich los damit, die ersten Windeln zu bestellen. Und das machte ganz schön viel Spaß! Ich war total kribbelig und konnte es kaum erwarten, diese süßen Windeln auszuprobieren.

Aber ihr Lieben: Vorsicht vor der Stoffwindelsucht!!!

Es gibt nämlich so supersüße Stoffwindeln, dass man sich wirklich zusammenreißen muss, nicht in einen kompletten Kaufrausch zu verfallen.

Warum überhaupt mit Stoffwindeln wickeln?

Es gibt richtig viele Gründe, nicht zu den herkömmlichen Wegwerfwindeln zu greifen.

+ Stoffwindeln sind ökologischer
+ das Wickeln mit Stoff ist günstiger (man spart bei den Windeln & bei den Müllgebühren)
+ es gibt für jeden das passende System
+ Stoffwindeln sind hautverträglicher für das Baby
+ die Windeln wachsen mit (bei den meisten Windeln kann man mit Druckknöpfen auf der Vorderseite die Höschen auf drei verschiedene Größen einstellen, deshalb liest man oft die Begriffe „OneSize“ oder „4-15kg“)
+ es gibt superhübsche Designs
+ Stoffwindeln lassen sich sehr gut wieder verkaufen
+ die Windeln können für mehrere Kinder verwendet werden
+ manche Kinder werden mit Stoffwindeln sogar früher trocken, da sie ein Gefühl für ihre Ausscheidungen bekommen
+ man hat immer Windeln daheim und muss nicht ständig neue kaufen

Welche Systeme gibt es?

AIO (All-in-one) & SIO (Snap-in-one)

Stoffwindel Überblick - Systeme & Einlagen ǁ fink & federDieses System ist das Einfachste von allen, es ist vom Prinzip wie eine Wegwerfwindel. Man hat eine Windelhose, in die die Einlagen meist schon eingenäht sind, bei manchen Herstellern sind diese auch mit Druckknöpfen befestigt (Snap-in-ones – SIO). Bei den SIOs kann man die Windel nochmal verwenden, wenn nur die Einlage leicht verschmutzt ist. Ist aber der Saugkern der Windel nass, muss auch hier die ganze Windel in die Wäsche. Bei beiden Systemen kann man zusätzlich noch weitere Einlagen einlegen. Die Windel kann in einem Schritt angelegt werden und ist deshalb auch perfekt für die Kita. Allerdings muss die Windel auch nach jeder Benutzung komplett in die Wäsche.

+ schnell anzulegen
+ nach dem Waschen kein Zusammensuchen, Knöpfen oder Stopfen notwendig
+ super für die Kita oder unterwegs
– das teuerste System
– nicht sehr flexibel, da die vernähte Einlage verwendet werden muss
– man benötigt viele Windeln, da die ganze Windel nach der Benutzung in die Wäsche muss
– man hat mehr Wäsche
– man braucht viel Platz auf der Wäscheleine
– AIOs brauchen oft mehrere Tage zum Trocknen

Pocketwindeln = All-in-two (AI2)

Stoffwindel Überblick - Systeme & Einlagen ǁ fink & federDie Pocketwindel ist ähnlich aufgebaut, wie eine AIO. Der Unterschied ist, dass die Einlage nicht vernäht ist, sondern in eine Taschenöffnung geschoben wird. Bei den Pocketwindeln werden immer eine oder mehrere Einlagen mitgeliefert, man kann aber jede beliebige Einlage verwenden, die in die Öffnung passt.

+ schnell anzulegen
+ super für die Kita und unterwegs
– fast so teuer wie AIO
– man benötigt viele Windeln, da die ganze Windel inkl. Einlage nach der Benutzung in die Wäsche muss
– man hat viel Wäsche
– man braucht viel Platz auf der Wäscheleine für Windel & Einlagen
– nach dem Waschen muss die Einlage in die Windel geschoben werden, manchmal etwas fummelig

Überhose + Einlage

Stoffwindel Überblick - Systeme & Einlagen ǁ fink & federDieses System besteht aus einer wasserfesten atmungsaktiven Überhose aus PUL oder Wolle ohne Saugkern, die man mit einer beliebigen Einlage bestückt. Als Einlagen kann man Mullwindeln, Waschlappen, Prefolds, Einlagen aus verschiedenen Materialien, Gästehandtücher oder sogar alte T-Shirts verwenden. Je nach gewünschter Saugkraft kann man mehrere Einlagen kombinieren. Man kann auch fertige Höschenwindeln als Einlage verwenden, dazu mehr im nächsten Abschnitt. Der große Vorteil ist, dass die Überhose nicht nach jeder Benutzung gewaschen werden muss, sondern nur, wenn Stuhl auf die Überhose kommt. Ansonsten kann man die Einlagen rausnehmen, die Überhose kurz auswischen und frische Einlagen reinlegen. Manchen Überhosen haben vorne und/oder hinten Laschen, in die man die Einlagen legen kann, es gibt aber auch welche, die ganz ohne Laschen auskommen.

+ total flexibel, aufgrund der großen Auswahl an Einlagen
+ das günstigste System, da man nur wenige Überhosen braucht und auch günstige Einlagen verwenden kann
+ wäschesparend, da (fast) immer nur die Einlagen in die Wäsche müssen
+ die Überhosen & Einlagen trocknen schnell, da beides getrennt gewaschen und getrocknet wird und die PUL-Überhose meist schon kurz nach dem Waschen trocken ist
– beim Wickeln etwas aufwändiger, da man die Überhose jedes Mal neu bestücken muss

Höschenwindeln + Überhose/Schlupfhose (für nachts)

Stoffwindel Überblick - Systeme & Einlagen ǁ fink & feder Stoffwindel Überblick - Systeme & Einlagen ǁ fink & federEin beliebtes System für nachts ist eine Höschenwindel (obere Bildreihe) mit einer Überhose (untere Bildreihe) darüber zu verwenden. Die Höschenwindel wird genauso angezogen, wie jede andere Stoffwindel, besteht aber aus reinem Saugmaterial und hat keine wasserdichte Außenschicht. Deshalb muss diese in Kombination mit einer Überhose angezogen werden . Die Windeln sind meist aus natürlichen Fasern, wie Baumwolle, Bambus oder Hanf und nicht aus synthetischen Fasern. Das System ist ideal für nachts, da Höschenwindeln extrem viel saugen und bis zu 12 Stunden dicht halten. Für tagsüber ist es eher unpraktisch, da Höschenwindeln einen sehr großen Windelpo machen und dadurch auch die Kleidung oft zu eng ist. Als Alternative zur normalen Überhose gibt es auch Schlupfüberhosen (nicht abgebildet), diese sehen aus wie Unterhosen mit Beinbündchen und werden auch wie eine Unterhose angezogen.

Höschenwindeln

+ sehr hohe Saugkraft
+ einfach anzulegen, wie eine Wegwerfwindel
– macht großen Windelpo
– nicht alle Überhosen passen über alle Höschenwindeln
– sehr lange Trocknungszeit, aufgrund dickem Stoff

Schlupfüberhosen

+ sehr bequem, da kein Klett oder Druckknöpfe an den Höschen sind
+ leise (gerade abends oder nachts ist das Geräusch von Klett oder Druckies für Kinder oft störend)
+ aufgrund der Form verdecken sie fast jede Höschenwindel
– nicht mitwachsend, man muss sie in verschiedenen Größen anschaffen

Hybridwindel = All-in-three (AI3)

AI3 (hier am Beispiel gDiaper) bestehen aus drei Teilen, einer Außenhülle aus Baumwolle und nicht, wie bei anderen Überhosen aus PUL. In diese Außenwindel wird eine wasserdichte „Pouch“ geknöpft. In diese Innenwindel wird nun eine Einlage gelegt, entweder die speziellen Einlagen des Herstellers oder andere passende Einlagen. Hersteller sind zum Beispiel gDiaper oder Culla di Teby.

+ Außenhülle aus Baumwolle
+ Außenhülle & Pouch müssen nicht jedes Mal gewaschen werden, nur wenn sie verschmutzt sind
+ wäschesparend, da (fast) immer nur die Einlagen in die Wäsche müssen
– höheres Auslaufrisiko, wenn die Einlage nicht richtig eingelegt ist und es etwas fummelig ist, die Einlagen in die Pouch zu legen
– teuer
– man ist mit den Einlagen nicht so flexibel, da die Größe der Pouch nicht viele Möglichkeiten lässt
– nicht mitwachsend, man muss immer die richtige Größe kaufen
– Verschluss ist immer mit Klett, keine Druckies verfügbar

Mullwindeln + Windelklammer + Überhose

Wer auf teure Windeln und Einlagen verzichten möchte, kann auch auf die günstige Variante zurückgreifen und einfach eine Mullwindel ums Kind herumfalten und diese mit einer Windelklammer schließen, dann noch eine Überhose drüber und fertig.

+ günstig
+ wäschesparend, Mullwindeln und PUL-Überhosen trocknen schnell
+ Überhose muss nicht jedes Mal gewaschen werden, nur wenn sie verschmutzt ist
+ Überhose verschmutzt nicht so schnell, da Mullwindeln sehr dicht um die Beine gewickelt werden können
+ eignet sich gut zum Wickeln von Neugeborenen, wenn man keine speziellen Neugeborenen-Windeln kaufen möchte
– die Mullwindel muss jedes Mal neu gefaltet und um den Po gewickelt werden, die Klammer richtig fixiert werden – das braucht Übung und ist oft nicht ganz einfach, wenn das Kind ungeduldig ist oder zappelt

Welche Stoffwindel-Größen gibt es?

Die meisten Stoffwindeln gibt es in zwei Größen: Neugeborenen-Größe und One Size. Die Neugeborenen-Windeln passen meist von 2,5 – 5 oder 7 kg, je nach Hersteller, z. B. Milovia, Blueberry oder Pop-in. Die One Size-Windeln sind die Einheitsgröße, die meist ab 4 oder 5 kg bis 15 kg passen, also bis zum Ende der Wickelzeit. Bei den meisten Windeln funktioniert die Verstellung der Größen über drei Reihen Druckknöpfe auf der Vorderseite der Windel, mit denen man die Windel auf die gewünschte Größe verkleinern kann.
Die Frage, ob sich Neugeborenen-Windeln lohnen, kann man nicht pauschal beantworten. Das kommt immer ganz auf die Größe des Babys an und ob man zum Beispiel die ersten Wochen oder Monate mit um den Po gewickelten Mullwindeln + Überhose überbrücken möchte. Manchen Babys passen von Geburt an schon One Size Windeln, weil sie schon mit recht kräftigen Schenkelchen auf die Welt kommen. Das ist von Baby zu Baby unterschiedlich.
Ich persönlich habe mir einige Neugeborenen-Windeln gekauft und habe es nicht bereut. Unsere Kleine kam mit 3 kg auf die Welt und sogar die Neugeborenen-Windeln wirkten anfangs viel zu groß an dem kleinen Po und jedes Mal eine Mullwindel um den Po wickeln, war mir schlicht und einfach zu umständlich. Wer ein zierliches Baby hat und sich weder Neugeborenen-Windeln kaufen will und nicht mit Mullwindeln + Klammer wickeln möchte, kann einfach in den ersten Wochen Wegwerfwindeln verwenden und sobald die One Size dem Baby passen, mit Stoffwindeln anfangen. Das ist immer noch günstiger, als komplett mit Wegwerfwindeln zu wickeln und man spart sich die Neugeborenen-Windeln.

Das Verschlusssystem: Klett oder Druckknöpfe?

Welches Verschlusssystem man wählt, ist reine Ansichtssache. Einer findet Klett besser, ein anderer kann sich besser mit Druckknöpfen anfreunden. Das muss man einfach ausprobieren. Hier mal ein paar Entscheidungshilfen:

Klett

+ schnell zum Verschließen & Öffnen
+ stufenlos verstellbar
– Klett ist nach mehrmaligem Waschen oft nicht mehr schön (ausgefranst oder verfusselt)
– Klett ist laut. Gerade abends oder nachts stört es oft beim Wickeln, wenn man den lauten Klett öffnet.
– oft braucht man mehrere Anläufe, bis man die richtige Klettposition (Größe) gefunden hat
– meistens gibt es einen Gegenklett, an den man den Klett beim Waschen klettet. Vergisst man, diesen zu schließen, bleibt er an anderer Wäsche hängen oder verfusselt

Druckknöpfe (Druckies, Snaps)

+ bleiben auch nach häufigem Waschen wie neu
+ nicht stufenlos, aber meistens gut auf die passende Größe einstellbar
+ man muss beim Waschen keine Rücksicht nehmen
+ wenn man einmal die richtige Größe (Knopflöcher) gefunden hat, ist die Hose ruckzuck geschlossen
+ nicht so laut wie Klett
– nicht ganz stufenlos verstellbar

Die Qual der Wahl der richtigen Einlage

Bei der Wahl der Einlage gibt’s einige Entscheidungskriterien:

– Material
– Saugvolumen (die Menge an Flüssigkeit, die aufgenommen wird)
– Sauggeschwindigkeit (wie schnell die Flüssigkeit aufgenommen wird)
– Trocknungsdauer
– Handhabung
– Nachhaltigkeit
– Kosten

Hat man ein „Vielpiesler“, eignen sich Einlagen mit viel Saugvolumen. Bei einem Kind, das aber empfindlich auf Nässe reagiert, ist es wichtig, dass die Windel sich trocken anfühlt, also ist hier wichtiger, auf die Sauggeschwindigkeit zu achten. Zudem gibt es auch Unterschiede bei Mädchen und Jungs. Mädchen brauchen eher in der Mitte der Windel Saugkraft, Jungs eher im vorderen Teil. Hier kann man aber die Einlage oft einfach anders falten und kann so die Saugkraft an der gewünschten Stelle verstärken.
Eins ist sicher: Je besser die Einlage zum Kind passt, desto länger hält die Windel dicht und man hat mehr Freude damit. Denn nur ein funktionierendes System ist ein gutes System. Und das Tolle an der Stoffwindel-Vielfalt ist, dass es nicht DAS System gibt, sondern für jede Situation viele Lösungen möglich sind.

Zuerst: Kleine Materialkunde

Baumwolle

Baumwolle ist eine Naturfaser, die sehr robust und reißfest ist und bei 95° gewaschen werden kann. Sie ist sehr saugstark und hautverträglich und deshalb auch für Allergiker gut geeignet. Aus ökologischer Sicht ist Baumwolle nicht unbedenklich, da für den Anbau sehr viel Wasser benötigt wird und für den Anbau oft Pestizide verwendet werden. Deshalb sollte man hier immer auf Bio-Baumwolle achten. Die wohl bekannteste Baumwoll-„Einlage“ (es ist eigentlich keine spezielle Einlage), ist wohl die Mullwindel.

+ Naturfaser
+ widerstandsfähig, robust und bei 95° waschbar
+ hautverträglich, daher für Allergiker geeignet
+ hohe Saugkraft
+ relativ günstig, z. B. IKEA-Waschlappen KRAMA oder Mullwindeln
– ökologisch bedenklich
– Einlagen werden nach mehreren Waschgängen hart und rau und müssen weichgeknetet oder im Trockner getrocknet werden (schlechtere Öko-Bilanz). Weichspüler soll für Saugeinlagen grundsätzlich nicht verwendet werden, siehe auch „Wie wasche ich Stoffwindeln richtig?“)

Bambusviskose

Bambusviskose ist eine natürliche Kunstfaser, Bambusfasern können nicht so einfach versponnen werden und müssen daher in einem chemischen Prozess zu Viskosestoff verarbeitet werden. Das Material ist empfindlicher und darf nicht über 60° gewaschen werden und beim Waschmittel muss man darauf achten, dass es keine Cellulase enthält. Bambus ist ökologisch gesehen unbedenklich, da Bambus die am schnellsten wachsende Pflanze der Welt ist und für den Anbau wenige Ressourcen und auch keine Pestizide benötigt werden. Das Material ist und bleibt auch nach vielem Waschen schön weich und saugt extrem stark, sogar bis zu vier Mal so viel, wie Baumwolle. Allerdings benötigen Bambuseinlagen lange zum Trocknen.

+ extrem saugstark
+ ist und bleibt weich
+ gute Ökobilanz
– keine reine Naturfaser
– Herstellprozess mit Chemikalien
– lange Trocknungszeit
– teurer als Baumwoll-Einlagen

Hanf

Hanf ist eine Naturfaser mit einer super Ökobilanz. Es wächst schnell und ertragreich und hat viele gute Eigenschaften. Hanf wirkt der Bildung von Bakterien und Gerüchen entgegen und gilt als sehr hautfreundlich. Hanf saugt nicht sehr schnell, kann aber sehr gut die Nässe speichern. Deshalb sollte man am besten noch eine schnellsaugende Schicht auf die Hanf-Einlage legen, wie Baumwolle oder Mikrofaser.
Einlagen aus Hanf bestehen meistens aus einer Mischung aus 55% Hanf & 45% Baumwolle.

+ reine Naturfaser
+ gute Ökobilanz
+ speichert Nässe gut
– saugt relativ langsam
– Einlagen werden schnell hart
– Einlagen gehen beim Waschen oft ein und verziehen sich und müssen dann wieder in Form gebracht werden

Mikrofaser

Mikrofaser ist eine synthetische Faser, die sehr weich ist und bleibt und formbeständig ist. Sie saugt sehr schnell und leitet die Nässe weg vom Po ins Innere der Windel, sodass der Babypo schön trocken ist. Allerdings gibt Mikrofaser die Nässe auf Druck auch schnell wieder ab und kann so gut wie keine Nässe speichern. Für längere Wickelintervalle ist Mikrofaser als Saugeinlage deshalb nicht zu empfehlen, am besten in Kombination mit einer stark saugenden Einlage verwenden.

+ saugt schnell
+ sorgt für ein angenehmes trockenes Gefühl am Babypo
+ günstig
+ trocknet sehr schnell
– Kunstfaser
– kann Nässe kaum speichern und gibt diese auf Druck schnell wieder ab
– nicht für Tragekinder geeignet, da durch das Tragen die Nässe wieder aus der Einlagen herausgedrückt wird

Wolle

Wolle ist ein reines Naturprodukt. Durch die Struktur der Fasern und den hohen Fettgehalt ist Wolle von Natur aus feuchtigkeitsabweisend. Wolle ist zudem sehr weich und anschmiegsam, atmungsakiv und temperaturregulierend, ist also nie zu warm oder zu kalt. Urin wird durch das Wollfett neutralisiert, das antibakteriell ist und Bakterien, Schimmel und Pilzen keinen Nährboden liefert. Wollhosen und –einlagen, die nur mit Urin verschmutzt sind, können einfach gelüftet werden und direkt wieder verwendet werden. Wolle ist nachhaltig und biologisch abbaubar. Allerdings ist Wolle etwas pflegebedürftiger als die anderen Materialien, da Wolle mit Lanolin (Wollfett) nachgefettet werden muss, damit sie dicht bleibt. Bei Kauf von Wollprodukten sollte man zudem darauf achten, dass die Tierhaltung mulesingfrei ist. Beim Mulesing wird Lämmern die Haut um den After ohne Betäubung entfernt zur Vorbeugung gegen den Befall von Fliegenmaden.

+ Naturprodukt
+ von Natur aus feuchtigkeitsabwesend
+ weich & anschmiegsam
+ atmungsaktiv & temperaturregulierend
+ biologisch abbaubar
+ antibakteriell
– pflegeintensiver als andere Einlagen
– falls jemand darauf achtet: kein veganes Produkt

Zorb™

Zorb™ ist eine Kunstfaser und wurde in den USA speziell für Stoffwindeln entwickelt. Saugeinlagen aus Zorb™ sind super geeignet für Kinder mit empfindlicher Haut. Zorb™ saugt schnell, viel und lange, es kann das bis zu zehnfache des eigenen Gewichts aufsaugen. Es speichert die Nässe im Innern der Windel und verhindert so das Auslaufen. Das Material bleibt auch nach häufigem Waschen schön weich und trocknet schnell.

+ sehr hautverträglich
+ saugt schnell, viel und hält Nässe lange fest
+ bleibt weich
+ trocknet schnell
– Kunstfaser

Welche Einlagen gibt es?

Mullwindeln

Die wohl klassischste aller Einlagen ist die altbewährte Mullwindel. Diese kann gefaltet als Einlage verwendet werden oder direkt um den Baby-Po gewickelt und zum Beispiel mit einer Windelklammer befestigt werden. Mullwindeln gibt es einfach und doppelt gewebt, die doppelt gewebten sind deutlich saugstärker. Mullwindeln als Einlage sind günstig, flexibel, langlebig und werden nach jedem Waschen sogar weicher. Zudem saugen sie Muttermilchstuhl sehr schnell auf. Sie können je nach Bedarf in allen möglichen Varianten gefaltet werden, zum Beispiel speziell für Mädchen mit mehr Saugkraft in der Mitte oder für Jungs mit mehr Saugkraft vorne. Allerdings machen Mullwindeln als Einlage einen relativ großen Windel-Po und müssen jedes Mal neu gefaltet werden.
Auf www.windelwissen.de gibt es eine gute Anleitung, wie man Mullwindeln falten kann.

Prefolds

Stoffwindel Überblick - Systeme & Einlagen ǁ fink & federPrefolds (prefold = vorgefaltet) sind Faltwindeln aus mehreren zusammengenähten Schichten aus Baumwolle, Bambusviskose oder Hanf. Ein Prefold besteht aus drei gleich großen Bahnen, die an den vorgesehenen Nähten zusammengefaltet werden. Die mittlere Bahn ist dicker, als die äußeren, dadurch ist man flexibel und kann zum Beispiel für Mädchen quer falten und so in der Mitte mehr Saugkraft erreichen. Prefolds sind nicht mitwachsend, es gibt sie in verschiedenen Größen und man muss über die Wickelzeit mehrere Größen kaufen. Die kleineren Prefolds kann man trotzdem als Zusatzeinlagen weiterverwenden. Mit Prefolds geht das Wickeln sehr schnell und einfach, was definitiv ein Vorteil ist. Prefolds sind zwar teurer als Mullwindeln, aber immer noch eine der günstigsten Einlagen.

Höschenwindeln

Wie ich oben bei den Windelsystemen schon beschrieben habe, sind Höschenwindeln auch eine Art von Einlage. Allerdings sind diese eher für Nachts gedacht aufgrund der hohen Saugkraft und des dicken Windel-Pos.

Saugeinlagen

Neben Mullwindeln, Prefolds und Höschenwindeln gibt es Saugeinlagen in verschiedenen Formen und Materialien, die man ebenfalls als Einlagen in Überhosen oder als Zusatzeinlage in AIOs, Pockets etc. verwenden kann, um die Saugkraft der Windel zu erhöhen.
Saugstarke Einlagen sind zum Beispiel Thirsties Hanf-Einlagen, Little Lamb Bambus-Einlage, Milovia StayDry-Einlagen.
Eine sehr kostengünstige, aber effektive Einlage sind die IKEA-Waschlappen KRAMA aus Baumwollfrottee. Diese quadratischen Waschlappen kann man halbieren und einfach eine oder zwei davon in ein Überhose legen. Wer nicht viel in Einlagen investieren will, macht damit nichts falsch.

Trockenfleece / Fleeceliner

Stoffwindel Überblick - Systeme & Einlagen ǁ fink & federTrockenfleece-Einlagen verhindern das Verschmutzen der Windel durch Stuhl. Sie sind waschbar und dadurch wiederverwendbar. Die Einlagen bestehen aus Mikrofaser, sind schön weich und leiten die Nässe schnell vom Po, sodass dieser immer schön trocken bleibt. Anders wie die bereits genannten Einlagen, ist das Trockenfleece keine Saugeinlage und speichert keine Nässe. Sie sind nur dafür gedacht, für einen trockenen Po zu sorgen. Die Einlagen sind sehr dünn und kommen fast schon trocken aus der Waschmaschine.

Windelvlies

Stoffwindel Überblick - Systeme & Einlagen ǁ fink & feder Windelvlies ist wie trockene Feuchttücher und verhindern ebenfalls das Verschmutzen der Windel durch Stuhl, ist aber nur bedingt waschbar und wiederverwendbar. Sie sind dafür gedacht, das große Geschäft über den Restmüll oder über die Toilette zu entsorgen, wobei die Entsorgung in der Toilette nicht unbedenklich ist. Abflussrohre sind nicht dafür gemacht, Feuchttücher oder Vlies zu entsorgen. Deshalb ist es besser, das verschmutzte Vlies über den Restmüll entsorgen. Einige Windelvlies-Sorten können, wenn sie nur vollgepinkelt sind, mit der Windelwäsche mitgewaschen werden (am besten in einem Wäschenetz, um nicht die Waschmaschine zu verstopfen) und danach nochmal als Windelvlies oder als Feuchttücher verwendet werden. Windelvlies gibt es als Rolle mit meistens 100 Blatt zu kaufen.

So, das war der erste Teil meiner Stoffwindelserie. Wenn ihr wissen wollt, wie man Stoffwindeln richtig wäscht, was man für eine Erstausstattung braucht und welche Windeln ich benutze, dann besucht meinen 2. Teil des Stoffwindel-Überblicks!

Habt es schön & bis bald!

Eure Bianca

You Might Also Like

No Comments

Leave a Reply